Gruselsnack: Dich lad ich ein

Dich lad ich ein

Der Tag, an dem mein kleiner Bruder verrückt wurde, war ein Montag.

Ein ganz gewöhnlicher Montag.

Vielleicht auch nicht.

 

Noch 3 Tage

»Nimm doch einen Happen«, sagte Mama. Sie zauberte ein Lächeln auf ihre rot geschminkten Lippen, das nicht nur mir, sondern vor allem den angerichteten Tellern galt: Gemüselasagne, herrlich goldbraun überbacken.

»Jaaa«, prustete mein kleiner Bruder und schob sich eine Gabel voll Abendessen in den Mund.

Ich sah ihm dabei zu, wie er mit vollen Backen fröhlich vor sich hin schmatzte.

Auch ich sollte gut gelaunt sein, eigentlich. Mama kochte wieder. Sie saß nicht mehr bloß herum, achtete sogar auf ihr Aussehen. Ein bisschen zu viel vielleicht, aber das war in Ordnung. Eigentlich.

»Fabian.« Mamas Augenbrauen hoben sich. »Langsam essen – und kauen.«

Fabi nickte und bemühte sich, wie es wohl nur ein Siebenjähriger konnte, in einer Mischung aus Gehorsam und Übermut.

»So ist es gut.« Mamas Blick glitt wieder zu mir. »Lilly? Schmeckt es dir nicht?«

»Doch.«

»Du hast es kaum angerührt.«

»Ich hab heute keinen Hunger.«

Mama legte ihr Besteck beiseite auf die Tischdecke. Es gab inzwischen eine Tischdecke, blau und rot kariert. »Was ist denn los?« Sie dämpfte die Stimme, nur Fabi kaute und schmatzte unentwegt.

»Nichts.«

 

Erschienen bei Dark Empire

Dich lad ich ein Gruselsnack

Nachtfresserchen, Nachtfresserchen,
komm mit dem Schlachtmesserchen,
komm mit dem Fleischgäbelchen,
mach auf dein Fraß-Schnäbelchen.

Das Leben der Geschwister Lilly und Fabian wird durch ein scheinbar harmloses Kinderbuch auf den Kopf gestellt. Während ihre Mutter mit dem neuen Partner einen frischen Start für die Familie schaffen will, kämpft Lilly mit der Angst um ihren jüngeren Bruder, der die Reime im Buch für wirklicher hält, als sie sein sollten. Dabei werden die vermeintlich unbeschwerten Sommerferien von düsteren Geheimnissen überschattet. In einer Welt, in der die Grenzen zwischen Realität und Albtraum verschwimmen, müssen die Geschwister um ihren Verstand fürchten – und um ihr Seelenheil.

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