Anthologie: Aqua Obscura

Blinder Augenblick

Gluckern. Unaufhaltsamer Hunger, kein Hase hat jemals genügt. Nie.
Sie spazierten und sprachen davon, wie sonderbar das Wasser beleuchtet sei – in diesem weichen warmen Ton –, auf dem sich der Abend herbstlaubrot widerspiegelte.
Mit schwarzblinden Augen erblickte ich nichts, spürte und hörte sie aber, ganz nah.
Sie sagten, wie glücklich sie seien, sich gefunden und es gewagt zu haben, endlich dem Blick ihrer Eltern zu entgleiten, samt deren Zwist über ein unmögliches Zusammensein.
Das Mädchen streifte mit den Händen sacht das Schilfgras, es musste das Mädchen sein, so sanft ihre Berührung war. Der Bursche trat festen Schrittes auf den Grund, um sie zu führen, um sie zu leiten. Vielleicht in den lichten Wald, aus dem ein Duft nach Harz und Honig hauchte.
Doch hier schwiegen die Bäume, streckten ihre Wurzeln tief.

Erschienen im Carpathia-Verlag

Anthologie Aqua Obscura
Tief verborgen unter den Wellen lauern Geschichten, die nur darauf warten, erzählt zu werden. Die Welten des Wassers sind grenzenlos und voller Geheimnisse. Ein stiller See birgt ein uraltes Unheil, ein Fluss flüstert von längst vergessenen Sünden, und aus den schwarzen Abgründen des Meeres steigen Albträume empor. Jeder Tropfen, jede Strömung, jede Flut ist ein Portal in eine Welt, in der das Wasser zugleich Leben spendet und verschlingt.
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