Anthologie: Aqua Obscura
Blinder Augenblick
Gluckern. Unaufhaltsamer Hunger, kein Hase hat jemals genügt. Nie.
Sie spazierten und sprachen davon, wie sonderbar das Wasser beleuchtet sei – in diesem weichen warmen Ton –, auf dem sich der Abend herbstlaubrot widerspiegelte.
Mit schwarzblinden Augen erblickte ich nichts, spürte und hörte sie aber, ganz nah.
Sie sagten, wie glücklich sie seien, sich gefunden und es gewagt zu haben, endlich dem Blick ihrer Eltern zu entgleiten, samt deren Zwist über ein unmögliches Zusammensein.
Das Mädchen streifte mit den Händen sacht das Schilfgras, es musste das Mädchen sein, so sanft ihre Berührung war. Der Bursche trat festen Schrittes auf den Grund, um sie zu führen, um sie zu leiten. Vielleicht in den lichten Wald, aus dem ein Duft nach Harz und Honig hauchte.
Doch hier schwiegen die Bäume, streckten ihre Wurzeln tief.
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Erschienen im Carpathia-Verlag